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Cannabis-Teillegalisierung: Risiken und Auswirkungen auf die Bezirkskliniken im Blick

Cannabis-Teillegalisierung: Risiken und Auswirkungen auf die Bezirkskliniken im Blick

Foto: Bezirk Niederbayern, Verena Roider

Seit gut zwei Jahren ist Cannabis legal – teils und unter Einschränkungen. Die Gesetzesänderung ist nach wie vor umstritten. Nun hat sich der Bezirkstag mit der Thematik befasst. Insbesondere Risiken und die Auswirkungen auf die Bezirkskliniken in Niederbayern standen dabei im Fokus.

Landshut. Sie war eines der großen Themen der Ampel-Koalition: die Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland. Am 1. April 2024 trat das neue Gesetz in Kraft, das Besitz sowie den privaten und gemeinschaftlichen Anbau von Cannabis für Volljährige unter bestimmten Bedingungen zulässt. Für Jugendliche unter 18 ist Cannabis weiterhin verboten.

Zwei Jahre nach der Einführung ziehen Wissenschaft und Politik ihre Zwischenbilanzen. Das Forschungsprojekt „Evaluation des Konsumcannabisgesetzes“ hat dafür die Auswirkungen der Teillegalisierung auf den Kinder- und Jugendschutz, den Gesundheitsschutz sowie die cannabisbezogene Kriminalität untersucht. Das Ergebnis des zweiten Zwischenberichts fällt differenziert aus. Die im Vorfeld häufig geäußerten Befürchtungen, dass es durch die Teillegalisierung zu einem Anstieg des Konsums kommen könnte, haben sich aufgrund der bisher vorliegenden Daten nicht bestätigt. Kritisch sehen die Forscher u.a., dass für therapeutische Zwecke zu oft Medizinalcannabis mit zu hohem Wirkstoffgehalt verschrieben werde. Was in der Studie ebenfalls angemerkt wird: Mit bis zu 200 Tonnen verfügbarem Medizinalcannabis im Jahr 2025 habe sich in Deutschland der größte legal-kommerzielle Cannabismarkt Europas herausgebildet. In keinem anderen europäischen Land werden größere Mengen Cannabis über legale Vertriebswege umgesetzt. Die Politik hat reagiert, strengere gesetzliche Regeln für den Zugang zu medizinischem Cannabis wurden auf den Weg gebracht. Doch die Kritik reißt nicht ab.

Nach wie vor Kritik an Teillegalisierung

Auch der Bezirk Niederbayern und seine Kliniken haben die Thematik mit wachsamen Auge im Blick. Auf einen Antrag der CSU-Fraktion hin hat sich der Bezirkstag in seiner Sitzung vom 15. April mit der Frage befasst, inwiefern es Risiken der Cannabis-Legalisierung und welche Auswirkungen es auf die Bezirkskliniken in Niederbayern gibt. Dabei standen insbesondere die Gesundheitsrisiken für Kinder und Jugendliche im Fokus. Ergänzt wurde dies um einen Antrag der SPD, inwieweit Medienkonsum – insbesondere die Nutzung sozialer Netzwerke – als Belastungsfaktor für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der klinischen Praxis eine Rolle spielt.

Erste Erkenntnisse aus der Praxis am Bezirkskrankenhaus Landshut lieferte Dr. Florian Moser, therapeutischer Leiter der jugendpsychiatrischen Intensivstation. Was bislang am Bezirkskrankenhaus bei stationären Behandlungen zu beobachten ist: Von 2018 bis 2025 ist ein Anstieg der Belegung um 128 Prozent zu sehen bei leicht abnehmendem Trend der Suchtbehandlungen. Bezüglich cannabisbezogener oder psychotischer Störungen ist dagegen kein signifikanter Anstieg zu erkennen. Im Vergleich zu allen Suchtdiagnosen ist Cannabis häufiger vertreten. Seit 2021 ist eine Steigerung um 134 Prozent zu verzeichnen. „Die Aussagekraft dieser Ergebnisse ist aufgrund geringer Fallzahlen aber begrenzt“, so Dr. Moser. „Es sind weitere Evaluationen notwendig.“

Signifikant sind die cannabisbezogenen Diagnosen dagegen in der ambulanten Behandlung am Bezirkskrankenhaus Landshut angestiegen, so der Suchttherapeut. „Dabei leicht bei Patienten unter 15 Jahren.“ Jedoch sei über alle Stoffklassen hinweg ein Anstieg der Diagnosen seit 2020 zu erkennen –. ab dem Jahr, in dem auch die Suchtambulanz am Bezirkskrankenhaus gegründet worden war. Daher gab Dr. Moser zu bedenken: „Gibt es mehr Konsumierende oder erreichen wir sie mit der Suchtambulanz einfach besser?“

Verlässliche Daten in fünf bis zehn Jahren zu erwarten

Zusammengefasst betonte Dr. Moser: „Zur Bewertung der Auswirkungen der Cannabislegalisierung braucht es weitere empirische Studien. Man geht davon aus, dass es fünf bis zehn Jahre dauert, bis verlässliche Daten vorliegen.“ Ähnlich sieht er es in Bezug auf die Frage, inwieweit Medienkonsum als Belastungsfaktor für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der klinischen Praxis eine Rolle spielt. „Die Forschung gibt es her, dass wir uns damit beschäftigen“, sagte Dr. Moser. Es sei eine wichtige Thematik und müsse weiter beleuchtet werden. Aktuelle geschehe dies insbesondere überregional in Spezialambulanzen – beispielsweise in Hamburg.

„Auch, wenn es noch Jahre dauern wird, bis zur Thematik verlässliche Daten vorliegen: Wir sind stets in engem Austausch mit den Experten in unseren Bezirkskrankenhäusern, um mögliche Trends und Entwicklungen in Niederbayern rechtzeitig zu erkennen – zum Schutz unserer Kinder und Jugendlichen“, sagt Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich.

Im Bild: Über Risiken und Auswirkungen der Cannabis-Teillegalisierung auf die Bezirkskliniken berichtete Dr. Florian Moser (links) in der Sitzung des Bezirkstags.

Foto: Bezirk Niederbayern, Verena Roider

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