Website-Icon Bayern Aktuell

Landrat stellte sich den Fragen der Jugendlichen

Landrat stellte sich den Fragen der Jugendlichen

Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Fragen an den Landrat – Die geplante Wehrpflicht bewegt die Schülerinnen und Schüler

Viechtach. Landrat Dr. Ronny Raith und Jugendpflegerin Kathrin Götz besuchen Schulen im Landkreis Regen, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. Am Dominicus-von-Linprun Gymnasium Viechtach begrüßte sie der stellvertretende Schulleiter Christoph Heiduk. „Das ist eure Chance, den Landrat zu befragen – so eine Gelegenheit habt ihr nicht oft“, sagte Heiduk zu den Zwölftklässlern. In der Aula hatten die Schüler zwei Stunden Zeit, Raith und Götz kennenzulernen.

Raith begann mit seinem Werdegang – vom Jurastudium über die Kanzlei in Deggendorf und der Eheschließung bis zu seiner Wahl zum Landrat. Die Kommunale Jugendpflegerin Götz erklärte ihre Rolle: Sie sei Ansprechpartnerin für alle, die Jugendarbeit im Landkreis leisten, besonders für die Jugendtreffs. „Ich bin auch direkt für euch da. Kommt mit euren Fragen gern zu mir“, ermutigte sie die Jugendlichen.

Während an anderen Schulen oft persönliche Fragen den Auftakt bildeten, stiegen die Schülerinnen und Schüler hier direkt in die Diskussion ein. „Was hältst Du von der Wehrpflicht? “, lautete die erste Frage an den Landrat. Raith sprach sich, wie schon in anderen Gesprächsrunden, für eine allgemeine Dienstpflicht aus. „Es spielt keine Rolle, ob jemand in einem Altenheim, einer Behinderteneinrichtung oder beim BRK seinen Dienst leistet“, betonte er. Wer keine soziale oder ökologische Arbeit übernehmen wolle, könne seinen Dienst bei der Bundeswehr ableisten. „Das wäre eine Umkehr des alten Systems: Früher musste man aktiv verweigern, heute müsste man sich aktiv für die Landesverteidigung entscheiden“, erklärte Raith.

Auf die Frage, ob ein Pflichtdienst junge Menschen zusätzlich belaste, antwortete er mit einem Appell: „Eine Gesellschaft kann nicht funktionieren, wenn jeder nur tut, was ihm gefällt. Eine Gemeinschaft aus reinen Individualisten bricht auseinander.“ So sehe er einen solchen Dienst auch als „einen Dienst an der Gesellschaft.“ Die Pläne der Bundesregierung, den Dienst per Losverfahren zu regeln, lehnte er entschieden ab: „Das ist ungerecht!“ Gleichzeitig betonte er, dass eine allgemeine Dienstpflicht auch anderen Bereichen zugutekäme. Über die Dauer könne man diskutieren: „Ob sechs, neun oder zwölf Monate – das müsste man sinnvoll abwägen.“ Raith fügte hinzu, dass auch die jungen Menschen selbst von einem solchen Dienst profitieren würden.

Die Schülerinnen und Schüler fragten außerdem, welche Herausforderungen Raith in den kommenden Jahren als besonders wichtig ansieht. Er nannte den Erhalt und die Verbesserung der Infrastruktur als zentrales Ziel. Der Landkreis sei für 53 Brücken auf Kreisstraßen verantwortlich, die in den nächsten Jahren saniert werden müssten. Auch die Schulen sollten weiterhin gut ausgestattet bleiben. „Wir sind Sachaufwandsträger für elf Schulen und investieren hier kontinuierlich“, berichtete der Landrat. Eine weitere große Aufgabe sei die Gesundheitsversorgung, insbesondere der Betrieb der Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren. „Wir müssen sicherstellen, dass die medizinische Versorgung im Landkreis erhalten bleibt und sich idealerweise verbessert“, betonte Raith.

Er wies jedoch auch auf die angespannte Finanzlage hin: „Dem Landkreis geht es finanziell hundsmiserabel.“ Deshalb müsse man alle Ausgaben sorgfältig priorisieren. „Wir setzen klare Reihenfolgen und erledigen Investitionen Stück für Stück – je nach Kassenlage“, erklärte er und zog einen Vergleich zum privaten Haushalt: „Man kann nur ausgeben, was man hat.“

Ein weiteres Thema, das die Jugendliche bewegte, war die Gesundheitsversorgung. „Stimmt es, dass das Krankenhaus in Viechtach geschlossen werden könnte?“, lautete eine der Fragen. Raith erläuterte, dass ein Strukturgutachten vorliege und die Bürger im laufenden Dialog ihre Vorstellungen einbringen könnten. „Unsere Aufgabe als Politiker ist es, das Bestmögliche zu erreichen.“ Es gebe drei Optionen: Erstens, die Klinik in Zwiesel zu modernisieren und gleichzeitig das Haus in Viechtach weiter auszubauen – eine teure Lösung, die das Problem des Personalmangels nicht löse. „Schon jetzt ist es schwierig, die Personalvorgaben zu erfüllen“, erklärte Raith. Zweitens, die Klinik in Viechtach auszubauen und Zwiesel in ein ambulantes Haus umzuwandeln. Drittens, eine neue Klinik mit 300 Betten in der Mitte des Landkreises zu bauen. „Das wäre die teuerste, aber auch die beste Lösung für die Notfallversorgung“, sagte der Landrat. Allerdings müsste man sich dann in den Häusern Viechtach und Zwiesel wahrscheinlich auf die ambulante Versorgung beschränken. „Alle Varianten haben Vor- und Nachteile. Am Ende entscheidet der Kreistag.“

Zum Abschluss ermutigten Raith und Götz die Jugendlichen, sich selbst einzubringen – in Vereinen, Verbänden oder politisch. „Alle Parteien im Landkreis freuen sich über Nachwuchs“, versicherte der Landrat und riet den Schülerinnen und Schülern, sich für ihre eigenen Anliegen und die der Gemeinschaft starkzumachen.

BU: Der stellvertretende Schulleiter Christoph Heiduk (re.) begrüßte Landrat Dr. Ronny Raith und die Kommunale Jugendpflegerin Kathrin Götz an der Schule.

Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Die mobile Version verlassen