Unternehmensnachfolge, Defense und Innovation lauteten die Schwerpunkte der diesjährigen Transferkonferenz der ostbayerischen Hochschulen an der Hochschule Landshut. Diese drei Themen bieten insbesondere in der aktuell angespannten Wirtschaftslage große Chancen für Unternehmen, wie Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis in Keynotes, Round Table-Gesprächen und parallelen Fachforen deutlich machten
Bereits zum achten Mal organisierte das Netzwerk INDIGO, ein Zusammenschluss der sechs ostbayerischen Hochschulen, am 24. September 2026 die Transferkonferenz TRIOKON, diesmal mit der Hochschule Landshut als Gastgeberin.
Die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen als Impulsgeber und Unternehmen sowie Gesellschaft für eine erfolgreiche Zukunft betonte Ministerialdirigent Dr. Tobias Haaf bei seinem Grußwort des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Die Veranstaltung TRIOKON biete hierfür einen optimalen Nährboden. „Die Themen der TRIOKON greifen zentrale Zukunftsfragen auf und treffen damit den Nerv der Zeit. Sie spiegeln die aktuell dringlichsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen wider und zeigen Wege auf, wie diesen Herausforderungen strategisch zu begegnen ist. Ob Energiewende, Digitalisierung, neue Chancen im Bereich Defense und Dual Use, nachhaltige Produktion oder medizinische Versorgung – die TRIOKON-Themen sind praxis-nah, gesellschaftlich relevant und innovativ. Und Innovation entsteht dort, wo Wissenschaft, Wirtschaft und Institutionen gemeinsam Verantwortung übernehmen“, erklärte Haaf.
In einer Fragerunde zur Begrüßung der insgesamt etwa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – darunter hochrangige Vertreter der beteiligten Hochschulen, des INDIGO-Partnerbeirats sowie aus vielen Unternehmen – betonten Prof. Dr. Tomas Sauer (Sprecher des INDIGO-Steuerkreises, Universität Passau) und Prof. Dr. Marcus Jautze (Vizepräsident für Transfer und Internationales, Hochschule Landshut) das Potenzial der intensiven Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis. Gerade der gelebte Verbund von sechs regionalen Hochschulen und das Netzwerk zu Unternehmen, Politik und Gesellschaft biete vielfältige zukunftsrelevante Themen, die es gelte zu nutzen. Dabei seien die Hochschulen auf die Interaktion mit Unternehmen, Verbänden und weiteren regionalen Akteuren angewiesen, um eine praxisorientierte akademische Ausbildung bieten und zukunftsrelevante Forschungsfelder identifizieren und gemeinsam angehen zu können, wie Prof. Dr. Marcus Jautze hinzufügte.
Drei Schwerpunkte prägten die Veranstaltung: Unternehmensnachfolge, Defense und Innovation. Wie lassen sich Unternehmen erfolgreich an die nächste Generation übergeben? Welche Chancen entstehen durch Technologien, die sowohl zivil als auch im Sicherheits- und Verteidigungsbereich eingesetzt werden können? Und wie gelingt es, aus neuen Ideen konkrete Innovationen und marktfähige Lösungen zu entwickeln? Die Konferenz brachte Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis zusammen, um genau diese Fragen zu diskutieren, Erfahrungen zu teilen und neue Perspektiven für erfolgreichen Transfer zu eröffnen. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Zukunft entsteht, wenn relevante Akteure ihr Wissen, ihre Technologieerfahrung sowie ihr unternehmerisches Handeln zusammenbringen und Kooperationen initiieren. „Der Transfer von Kompetenzen ist gerade heute von besonderer Bedeutung. Denn die Herausforderungen, vor denen wir stehen, lassen sich nicht allein aus der Perspektive einer einzelnen Hochschule, eines einzelnen Unternehmens oder einer einzelnen Institution beantworten. Dazu braucht es ein starkes Netzwerk“, betont Prof. Dr. Michaela Wirtz, Präsidentin der Hochschule Landshut.
Wie der Wechsel von Unternehmensführungen gelingt
Unternehmensnachfolge ist eine zentrale Zukunftsfrage für den Mittelstand. Im Fokus standen hier die Chancen und Herausforderungen bei der Übergabe von Unternehmen sowie die Bedeutung einer frühzeitigen und strategischen Vorbereitung. Die Referierenden waren sich einig: Eine erfolgreiche Nachfolge braucht klare Perspektiven, gute Kommunikation und die Bereitschaft, Veränderungen aktiv zu gestalten.
„Erfolgreicher Kompetenztransfer beginnt mit einem gemeinsamen Verständnis der vorhandenen Kernkompetenzen und ihrer Entstehungsgeschichte. Insbesondere industrielle Nachfolge bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen Bewahren, Weiterentwickeln und Verändern“, erläuterte Prof. Dr. Sven Roeren in seiner Keynote zu Beginn der Transferkonferenz. Wie Vertrauen, Klarheit und gemeinsame Werte im Rahmen eines erfolgreichen Führungswechsels zusammenspielen können, zeigten im Anschluss Hans-Jürgen Multhammer und Alexander Schmunk von der ASIS GmbH, die intelligente Automatisierungslösungen in der industriellen Oberflächentechnik entwickelt.
Weitere Aspekte des Themenfeldes wurden in anschließenden Fachforen vertieft. Hier beschäftigte sich Prof. Dr. Thomas Schiller von der OTH Amberg-Weiden mit den steuerrechtlichen Implikationen der Unternehmensnachfolge, während Katrin Riedl (Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz) und Andrea Kahr (IHK Niederbayern in Passau) erläuterten, warum Nachfolge das neue Start-up ist.
Defense und Dual Use im Mittelpunkt
Im Themenschwerpunkt Defense und Dual Use stand die Frage im Fokus, wie technologische Entwicklungen aus Forschung und Wirtschaft für zivile und sicherheitsrelevante Anwendungen nutzbar gemacht werden könnten. Hierbei beleuchteten Prof. Dr. Wolfgang Dorner von der Technischen Hochschule Deggendorf und Klaus Bayer vom VDE Bayern e.V., wie Unternehmen diesen Themenkomplex als neues Anwendungsfeld für sich erschließen und als Innovationsmotor für die Praxis nutzen können. „Wer heute Maschinen baut, Bauteile fertigt oder Materialien verarbeitet, trägt Verteidigungsfähigkeit bereits mit“, erklärte Lara Polster von der Motorenfabrik Hatz GmbH & Co. KG. Sie zeigte in ihrem Beitrag auf, wo der Mittelstand als tragender Hebel industrieller Substanz im Bereich Verteidigung konkret steht, welche Hürden ein Engagement in diesem Sektor prägen und welche Instrumente bzw. Potenziale sich gerade neu öffnen. Im vertiefenden Fachforum stellte Lars Geißler vom Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr die Technologien der Software Defined Defense in den Mittelpunkt und rundete das Schwerpunktthema der Konferenz ab.
Innovationen in die Praxis bringen
Im Themenblock Innovation stand die Frage im Fokus, wie sich Innovationen vor Ort von der Idee bis zum marktfähigen Produkt umsetzen lassen. Wie sich beispielsweise innovative Lösungen in Produktion und Logistik im Zusammenspiel von Unternehmen und Hochschule finden lassen, erläuterte Prof. Dr. Sebastian Meißner von der Hochschule Landshut, der durch seine Tätigkeit im Technologiezentrum Produktions- und Logistiksysteme (TZ PULS), einem Transfertechnologiezentrum der Hochschule in Dingolfing, von vielseitigen Erfahrungen in Kooperation mit regionalen Unternehmen berichten kann. Wie aus einem Kundenproblem eine innovative Fertigungslösung werden kann, zeigte im Anschluss Dr. Clemens Behmenburg von der Shibaura Machine LWB GmbH. „Innovation entsteht aus konkreten Problemen. Wir freuen uns, mit unseren Prozessentwicklungen ein Teil der Lösung zu sein und diese auf der TRIOKON präsentieren zu können“, so Behmenburg.
Wie vielschichtig das Thema Innovation in der Region Ostbayern gelebt wird, zeigten auch die hierzu passenden Fachforen: Dr. Matthias Peindl von der Universität Passau und René Kurtz von Gesundheitsregionplus Landkreis Freyung-Grafenau zeigten auf, wie der MedizinCampus Niederbayern und die Gesundheitsregionenplus die regionale Gesundheitsversorgung von morgen gestalten. Dr. Kendra Pöhlmann von der OTH Regensburg stellte den Aspekt der Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt und erläuterte, warum Nachhaltigkeit ein zentraler Treiber von Innovation und Zukunftsfähigkeit ist. Von seinen Erfahrungen und den Hürden auf dem Weg von der Wissenschaft ins Unternehmertum berichtete Dr. Markus Hornsteiner, CEO und Gründer der Complioty GmbH sowie ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Regensburg,
Ausblick: TRIOKON 2027
Die Transferkonferenz endete mit einem Ausblick auf das kommende Jahr. Prof. Dr. Marcus Jautze, übergab den „Staffelstab“ an die OTH Amberg-Weiden. Am 28. September 2027 findet die TRIOKON in Weiden in der Oberpfalz statt.
„Wir freuen uns, dass diese TRIOKON 2026 wie in jedem Jahr die hervorragende Kooperation der Akteure in der Region Ostbayern darstellt. Sowohl die Kolleginnen und Kollegen der ausrichtenden Hochschule als auch die Mitglieder unseres Partnerbeirats arbeiten hier aktiv zusammen und stellen ein vielseitiges Programm auf die Beine. Ich bin gespannt auf die nächsten Impulse der OTH Amberg-Weiden in 2027“, fasst Prof. Dr. Tomas Sauer, Steuerkreissprecher des Netzwerks INDIGO, zusammen.
Die TRIOKON 2026 wurde organisiert von der Geschäftsstelle des Netzwerks INDIGO sowie dem Team der Hochschule Landshut. Kooperationspartner der diesjährigen Konferenz waren erneut die IHK Niederbayern, IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., BayernLabs und VDE Bayern.
Über das Netzwerk INDIGO
Im Netzwerk Internet und Digitalisierung Ostbayern (INDIGO) arbeiten die sechs ostbayerischen Hochschulen – OTH Amberg-Weiden, TH Deggendorf, Hochschule Landshut, Universität Passau, Universität Regensburg und OTH Regensburg – bereits seit 2014 zusammen. Vornehmliches Ziel des Netzwerks ist die dauerhafte Stärkung der Region Ostbayern als exzellenter Wissenschaftsstandort aber auch als Ort von leistungsstarken und erfolgreichen Wirtschaftsunternehmen. Hierbei fördert das Netzwerk insbesondere die fachübergreifende Kooperation auf dem Gebiet der angewandten Forschung und Grundlagenforschung zwischen den beteiligten Hochschulen. Basierend auf der durch INDIGO entstandenen hochschulübergreifenden Bündelung vorhandener wissenschaftlicher Kompetenzen wurden neue Kooperationen innerhalb des Netzwerks sowie mit externen Akteuren angestoßen und erfolgreich Förderanträge im Verbund gestellt. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.indigo-netzwerk.de/
Fotos: (Quelle: Hochschule Landshut)

