„Sie spannen einen Schutzschirm über Frauen in Notlagen“, sagte Landrat Otto Lederer. Sein Lob galt dem Team der staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen. Seit 50 Jahren bietet es Menschen Orientierung, wenn alles andere aus den Fugen zu geraten scheint.
Zum Jubiläum waren Ärzte, Hebammen, ehemalige Beraterinnen sowie Netzwerkpartner, unter anderem die Schwangerenberatungsstellen der freien Träger Donum Vitae und Sozialdienst katholischer Frauen sowie Vertreterinnen und Vertreter des Kreisjugendamtes und der Stadt Rosenheim zu einer Feier in das Landratsamt geladen worden. In ihrer Begrüßung gaben die Damen und Herren des Beratungsteams kleine Einblicke in ihre tägliche Arbeit. Sie erleben Menschen in vielen verschiedenen Lebenssituationen. Es sind Begegnungen mit glücklichen, aber auch mit verzweifelten Menschen. „Es gibt viel zu reden, noch mehr zuzuhören und es werden Tränen getrocknet.“
„Was sie leisten, ist weit mehr als „nur“ ein Gespräch,“ sagte Landrat Otto Lederer. „Ihre Arbeit ist so vielfältig wie das Leben selbst. In Momenten tiefer Krisen schaffen sie einen geschützten Raum, in dem nicht verurteilt, sondern zugehört wird. Einen Ort, an dem neue Perspektiven entstehen, wenn die Welt Kopf steht.“
Wenn gewünscht auch anonym, kann es in den Beratungsgesprächen um Themen der Schwangerschaft, wie Elterngeld und Elternzeit und Verhütung, Pränataldiagnostik, unerfüllter Kinderwunsch, Verlust oder vertrauliche Geburt gehen. Zudem bietet das Team Workshops und Fortbildungen in Schulen und Jugendeinrichtungen zur sexuellen Bildung junger Menschen an.
In seiner Rede würdigte der Landrat auch die Zusammenarbeit aller Netzwerkpartner. „Ob soziale Träger, Ärzte, Hebammen oder die Jugendhilfe. Gemeinsam bilden sie ein sicheres Netz, das verhindert, dass Menschen in herausfordernden Lebenslagen durch ein Raster fallen.“
Die staatlich anerkannten Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen entstanden vor 50 Jahren im Zuge der Reform des Paragrafen 218 sowie der folgenden Paragrafen im Strafgesetzbuch. Darin geregelt ist das grundsätzliche Verbot von Abtreibungen sowie unter welchen Voraussetzungen ein Schwangerschaftsabbruch straffrei möglich ist. Im letzteren Fall wird unter anderem eine verpflichtende Beratung in einer staatlich anerkannten Beratungsstelle gefordert. Insgesamt gibt es in Bayern 76. In Rosenheim befinden sich die Beratungsräume im Landratsamt. Da ein Beratungsgespräche anonym möglich sein muss, brauchen sich betroffene Personen nicht am Empfang der Behörde melden.
Bildtext: Seit 50 Jahren stellt es ein umfassendes Unterstützungsangebot zur Verfügung. (von links) Landrat Otto Lederer und der Leiter des Gesundheitsamtes Rosenheim Dr. Wolfgang Hierl gratulierten dem Team der staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen Lisa Weise, Tobias Holtmann, Anke Kayser, Fabian Behr, Vivien Brose und Ursula Marchfelder. Es fehlen Martina Hummel und Martin Seidl.
Bild: Landratsamt Rosenheim

