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Vom Schandfleck zum Schmuckstück

Vom Schandfleck zum Schmuckstück

Foto: Bezirk Niederbayern, Sabine Bäter

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich besuchte die ehemalige Pension Sandner in Landshut

Landshut. Ein denkmalgeschütztes Gebäude, das die Menschen in Landshut lange vor allem als Ruine kannten, bekommt eine neue Zukunft: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich besuchte am gestrigen Tag des offenen Denkmals gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Haslinger und Bezirksrätin Martina Hammerl die ehemalige Pension Sandner in Landshut. Das historische Gebäude, Freyung 627, wird derzeit umfassend saniert.

Dass es überhaupt zur Sanierung des Hauses mit der Adresse Freyung 627 gekommen ist, ist ein Glücksfall. Bereits in den 1980er Jahren war die Genehmigung zum Abriss erteilt worden. Danach stand das Gebäude rund ein Vierteljahrhundert leer und verfiel zusehends. Viele Landshuter kannten die ehemalige Pension Sandner schließlich nur noch als Ruine und „Schandfleck“ – aus dem Kamin wuchs zeitweise sogar ein kleines Bäumchen.

Dabei reicht die Geschichte des Hauses weit zurück. Das ehemalige Mesnerhaus nahe der Pfarrkirche St. Jodok war über Jahrhunderte eng mit der Pfarrei verbunden. Dendrochronologische Untersuchungen datieren das Gebäude auf das Jahr 1483. Der sogenannte „liegende“ Dachstuhl sowie Abbruchmaterialien, die in den Fundamenten verbaut wurden, stammen von der Baustelle der Pfarrkirche St. Jodok. Von 1914 bis 1982 befand sich das Anwesen in Privatbesitz. Ab 1957 wurde es als „Pension Sandner“ genutzt – ein Name, unter dem das Gebäude bis heute bekannt ist.

Als die untere Denkmalschutzbehörde das Haus schließlich als Notfall der Kategorie 1 einstufte, war der Handlungsbedarf besonders dringend. Dann erwarben Daniel Wurstbauer und ein weiterer Landshuter das Anwesen von der Kirche in Erbpacht. Gemeinsam mit dem Architekturbüro Wager Gärtner Knoch begann Wurstbauer im vergangenen Jahr mit der Sanierung.

Die Bauherren und Architekten standen dabei vor besonderen Herausforderungen. Das Gebäude war zu Beginn der Arbeiten bereits vollständig entkernt. „Das war Segen und Fluch zugleich“, erklärte Architekt Michel Knoch. Einerseits war damit der Weg für die Sanierung frei. Andererseits erschwerte die Entkernung die denkmalgerechte Wiederherstellung. Denn Ziel der Denkmalpflege ist es nicht, historische Gebäude lediglich schön erscheinen zu lassen, sondern ihre überlieferte Substanz und Geschichte möglichst authentisch zu bewahren. Einige originale Bauteile konnten dennoch gefunden und gesichert werden, darunter zwei Fenster aus der Barockzeit. Die historische Dachkonstruktion war allerdings massiv zerstört; tragende Bauteile des Dachstuhls waren entfernt worden. Inzwischen wurden diese nach alter Zimmermannstradition fachgerecht wiederhergestellt.

Besonders interessant ist die Erweiterung des historischen Gebäudes. Grundlage dafür war das sogenannte Sandtnermodell, ein historisches, detailgetreues Holzmodell. Es belegt, dass an der Rückseite des Gebäudes ursprünglich ein Anbau vorhanden war. An dieser Stelle entsteht nun wieder ein entsprechender Baukörper. Mit seinem Dachgeschoss, einem Spitzboden und der vollständig verglasten Rückseite schafft er einen lichtdurchfluteten Wohnraum, der die historische Substanz mit zeitgemäßem Wohnen verbindet.

Insgesamt entstehen sieben Wohnungen unterschiedlicher Größe. Für Daniel Wurstbauer ist die Sanierung dabei nicht nur ein Projekt, sondern auch eine persönliche Zukunftsperspektive: Nach der Fertigstellung will er selbst in die Erdgeschosswohnung einziehen. Diese bietet mit ihrer für einen historischen Bau ungewöhnlichen Deckenhöhe ein besonderes Raumgefühl.

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich würdigte bei seinem Besuch insbesondere den Mut und das Engagement der Bauherren. „Jeder Bauherr, der sich für die denkmalgerechte Sanierung eines Baudenkmals entscheidet, verdient großen Respekt. Denn ohne diese Menschen würden wir historische Gebäude wie dieses verlieren – und somit auch einen Teil unserer regionalen Identität“, betonte Heinrich.

Bildunterschrift: Im Dachgeschoss des Anbaus lässt sich bereits heute das künftige Raumgefühl der Wohnräume erahnen. Im Bild (v.l.): Bezirksrätin Martina Hammerl, Bezirksheimatpfleger Dr. Clemens Knobling, Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Daniel Wurstbauer, OB Dr. Thomas Haslinger, Bezirksrat Markus Scheuermann, Benedikt Schramm, Kulturreferent der Stadt Landshut, Marie-Manon Pohl und Michael Knoch vom Architekturbüro Wager Gärtner Knoch

Foto: Bezirk Niederbayern, Sabine Bäter

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