Im Jugendamt gibt es viel zu tun – 66 Mitarbeiter sind zum Wohle von Kindern und Jugendlichen aktiv
Regen. Drei Punkte standen auf der Tagesordnung der ersten Sitzung des Jugendhilfeausschusses in der neuen Legislaturperiode. Die ersten beiden waren formal notwendig, damit der Ausschuss arbeitsfähig bleibt. Die 15 Mitglieder, darunter acht Kreisräte, Vertreter von sechs freien Trägern und der Landrat, stimmten einstimmig für die von der Verwaltung vorgeschlagene Satzung des Jugendamtes und die Geschäftsordnung des Ausschusses.
Regens Landrat Dr. Ronny Raith leitete die Sitzung und stimmte die Mitglieder auf die kommenden sechs Jahre ein. Er betonte die Bedeutung der Arbeit des Ausschusses und des Jugendamtes. Oft spreche man nur von den hohen Ausgaben, wisse aber wenig über die konkrete Arbeit, bedauerte Raith. Um dies zu ändern, informierte Jugendamtsleiter Martin Hackl als dritten Punkt über „Aufgabenbereich und Struktur des Kreisjugendamtes Regen“.
„Der Jugendhilfeausschuss und die Verwaltung bilden das Kreisjugendamt“, erklärte Hackl zu Beginn. Er ging auch auf den Haushalt ein: Im vergangenen Jahr beliefen sich die Ausgaben auf knapp 9,5 Millionen Euro. „Wir erzielen aber auch Einnahmen“, betonte Hackl und verwies auf rund 4,2 Millionen Euro im Jahr 2025. Unabhängig davon werden im Landkreis Regen fast 21 Millionen Euro für die Kinderbetreuung ausgegeben. Die Hauptlast tragen hier Bund und Freistaat, insgesamt würden davon aber rund acht Millionen Euro von den Kommunen finanziert.
Hackl präsentierte konkrete Fallzahlen: Der Landkreis übernahm in 232 Fällen die Kindergartenbeiträge. Die Verwaltung verzeichnete 714 Fälle im Bereich des Unterhaltsvorschusses und 674 Beistandschaften. 2025 überprüfte das Kreisjugendamt in 44 Fällen mit 81 betroffenen Kindern eine mögliche .Kindeswohlgefährdung. Dies ist ein deutlicher Anstieg, den man auch wieder 2026 bereits erkennen kann. „Dies bedeutet enormen Arbeitsaufwand und hohe Kosten“, erklärte Hackl. Müssen Kinder in ein Heim, sind Tagessätze von 250 Euro und mehr keine Seltenheit. Derzeit sind 55 Kinder und Jugendliche in Heimen, und 13 Mal nahm das Jugendamt im vergangenen Jahr Kinder in Obhut.
Mit 66 Mitarbeitern ist das Jugendamt das größte Sachgebiet der Landkreisverwaltung. Jugendamtsleiter Hackl zeigte den Ausschußmitgliedern daher das breite Aufgabenspektrum eines Jugendamtes auf: von der Jugendarbeit über die Jugendsozialarbeit an Schulen, das Familienbüro Koki, Beistandschaften und Vormundschaften, Fachaufsicht und Betriebserlaubnisse für Kinderbetreuung, den Fachdiensten für Pflegekinder, Adoptionen und unbegleitete Minderjährige, die Jugendhilfe im Strafverfahren bis zur Bezirkssozialarbeit. Und natürlich müssen alle diese pädagogischen Hilfen für Familien auch verwaltungstechnisch durch die Mitarbeiter der wirtschaftlichen Jugendhilfe bearbeitet werden.
Kopfzerbrechen bereitet dem Jugendamtsleiter die Vielzahl an gesetzlichen Veränderungen der letzten Jahre, die sich auch aktuell weiter fortsetzt. Derzeit liegt mit dem Referententwurf des Kinder- und Jugendhilfe-Strukturreformgesetztes „KJHSRG“ der nächste „große Brocken“ auf seinem Tisch.
„Leider verlagert man weiterhin Aufgaben an die Landratsämter, ohne volle Kostenerstattung“, sagte Landrat Raith. Er erwartet, dass mit den Aufgaben auch die finanzielle und personelle Ausstattung weitergereicht wird. Alle Ausschussmitglieder waren sich einig, dass der Landkreis für die Jugendhilfe viel Geld aufbringen muss, jedoch das Wohl der Kinder, Jugendlichen und Familien im Landkreis weiterhin im Fokus bleiben soll.
Mögliche BU: Jugendamtsleiter Martin Hackl (stehend) gab einen Überblick über die Aufgaben des Jugendamtes.
Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

