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KULTURmobil startet mit „Faust“ in die neue Spielzeit

KULTURmobil startet mit „Faust“ in die neue Spielzeit

Bilder aus den Aufführungen: Bezirk Niederbayern, Verena Roider

Weit über 300 Besucher erleben die Premiere in Vilshofen an der Donau – Bezirk Niederbayern bringt bis Ende August Theater in alle Regionen Niederbayerns

Vilshofen an der Donau. Vor der eindrucksvollen Kulisse der Benediktinerabtei Schweiklberg ist das KULTURmobil des Bezirks Niederbayern am Samstagabend in seine 29. Spielzeit gestartet. Weit über 300 Zuschauerinnen und Zuschauern erlebten die Premiere der mobilen Theaterbühne unter freiem Himmel und sorgten für einen stimmungsvollen Auftakt einer Tournee, die das Ensemble bis Ende August durch ganz Niederbayern führen wird.

Zur Eröffnung begrüßte Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl das Publikum. In seinem Grußwort erinnerte er an die Anfänge des Projekts, das 1998 auf Initiative des damaligen Bezirksheimatpflegers Dr. Maximilian Seefelder ins Leben gerufen wurde. Was einst als ambitioniertes Kulturprojekt begann, habe sich längst zu einer Institution entwickelt. Mehr als 800 Gastspiele und über 1.800 Vorstellungen in mittlerweile über 170 niederbayerischen Gemeinden zeugen von der Erfolgsgeschichte des fahrenden Theaters. Auch in diesem Jahr wird das KULTURmobil wieder rund 6.000 Kilometer zurücklegen und an 30 Orten in allen neun niederbayerischen Landkreisen Station machen.

Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl betonte die besondere Idee hinter dem Projekt: Professionelles Theater soll nicht ausschließlich in kulturellen Zentren stattfinden, sondern Menschen unmittelbar vor Ort erreichen. Seit fast drei Jahrzehnten verwandle das KULTURmobil Dorf- und Marktplätze, Klosterhöfe und Freiflächen in Theaterorte und ermögliche kulturelle Teilhabe unabhängig von Wohnort und sozialem Hintergrund. Ein wesentlicher Baustein dieses Erfolgsmodells sei dabei der freie Eintritt für das Publikum. Lediglich die gastgebenden Städte und Gemeinden leisten einen vergleichsweise geringen Beitrag, während der Bezirk Niederbayern Ensemble, Technik und Organisation stellt.

Höhepunkt der Premiere war am Abend die Inszenierung des Stücks „Faust 1 + 2 + 3. Nach und mit Johann Wolfgang von Goethe“ von Felix Krakau. Regisseur Achim Bieler und sein Ensemble wagen dabei keine klassische Werktreue, sondern eine ebenso respektvolle wie überraschende Annäherung an den wohl berühmtesten Stoff der deutschen Literatur.

Faust, geplagt von einer existenziellen Sinnkrise, will mehr vom Leben: Mehr Erkenntnis, mehr Liebe, mehr Erfahrung. Der verhängnisvolle Pakt mit Mephisto setzt eine rastlose Jagd nach dem immer größeren Kick in Gang. Die Inszenierung erzählt diese Geschichte als furiosen Parcours zwischen Himmel und Hölle, zwischen klassischem Drama, Theatershow und bissiger Gegenwartskomödie. Goethes Stoff wird ernst genommen, zugleich aber mit viel Witz und kritischer Distanz auf heutige Fragen nach Selbstoptimierung, Maßlosigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung bezogen.

Gerade auf der mobilen Bühne entfaltet diese Herangehensweise ihre besondere Wirkung. Mit hohem Tempo, großer Spielfreude und pointierten Rollenwechseln gelingt es dem Ensemble, den Klassiker aus dem Schulkanon zu lösen und als lebendiges Gegenwartstheater erfahrbar zu machen. Die begeisterte Aufnahme durch das Publikum war bereits während der Aufführung deutlich spürbar. Dass sich der frühsommerliche Theaterabend ausgerechnet in den letzten Minuten unter einem kräftigen Regenschauer auflöste, konnte den positiven Eindruck der Aufführung nicht schmälern.

Bereits am Nachmittag hatte das KULTURmobil sein junges Publikum begeistert. In „Lahme Ente, blindes Huhn“ von Ulrich Hub begegnen sich zwei höchst unterschiedliche Figuren auf einer Reise voller Herausforderungen, Überraschungen und großer Wünsche. Die Inszenierung von Susanne Schemschies verbindet Humor und Poesie zu einer ebenso unterhaltsamen wie berührenden Geschichte über Freundschaft, Mut und die Kraft der Fantasie.

Mit der gelungenen Premiere ist der Startschuss für einen weiteren Theatersommer gefallen. Bis Ende August wird das KULTURmobil wieder quer durch Niederbayern reisen und dabei seinem ursprünglichen Auftrag treu bleiben: Große Theaterkunst bei freiem Eintritt dorthin zu bringen, wo Kultur unmittelbar erlebt werden kann. Nach dem Auftakt in Vilshofen an der Donau gastiert das Ensemble als Nächstes am 12. Juni 2026 in Kirchdorf am Inn, am 13. Juni 2026 in Mamming sowie am 19. Juni 2026 in Saal an der Donau, bevor die Tournee bis Ende August durch alle neun niederbayerischen Landkreise führt.

Bild: Freuten sich über den gelungenen Auftakt der KULTURmobil-Spielzeit 2026 in Vilshofen an der Donau: (v. li. n. re.) Regisseurin Susanne Schemschies, Intendant Dr. Laurenz Schulz, Regisseur Achim Bieler, Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl und Stephan Katzbichler, 3. Bürgermeister der Stadt Vilshofen an der Donau, vor der mobilen Bühne des KULTURmobils. – Bildquelle: Bezirk Niederbayern, Christoph Weishäupl (Bilder aus den Aufführungen: Bezirk Niederbayern, Verena Roider)

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