Verkehrserziehung auf ehemaligem Autohausgelände
Wie verhalte ich mich richtig an einer Ampel? Was muss ich beim Abbiegen beachten? Und was bedeuten die Verkehrszeichen? Genau das lernen Kinder aus Hof künftig auf dem neuen Verkehrsübungsplatz der Stadt Hof, der im Schlossweg 2 auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses Seidel entstanden ist. Am Montag, den 16. März 2026, wurde er offiziell eröffnet und direkt für die ersten Testfahrten genutzt. Künftig werden hier Grundschülerinnen und Grundschüler der 4. Klassen ihre Fahrradausbildung absolvieren und sich unter realitätsnahen Bedingungen auf das Radfahren im öffentlichen Straßenverkehr vorbereiten.
Oberbürgermeisterin Eva Döhla freut sich, dass eines ihrer Herzensprojekte abgeschlossen wurde: „Fahrradfahren ist Spaß und Bewegung – ganz klar. Aber Sicherheit im Straßenverkehr muss oberste Priorität haben. Das fängt bei den Jüngsten in unserer Gesellschaft an. Mit dieser Anlage schaffen wir die Rahmenbedingungen, um ihnen die Regeln und Verantwortungsbewusstsein im Straßenverkehr zu vermitteln, ihnen Sicherheit im Umgang mit dem Fahrrad und auf den Straßen zu geben sowie eine zeitgemäße Verkehrserziehung in einem modernen Umfeld zu bieten. Ich freue mich, dass die Umsetzung reibungslos vonstattengegangen ist, und bedanke mich bei allen Akteurinnen und Akteuren für ihren Einsatz in den vergangenen Monaten.“
Zum Saisonstart durften die ersten Kinder den Platz unter realen Bedingungen testen – und zwar bei knapp 6 °C und Regen. Dem Spaß der jungen Fahrradfahrerinnen und -fahrer tat das allerdings keinen Abbruch. Sie demonstrierten selbstbewusst, was sie am Vormittag mit Verkehrserzieherin Heike Köllner von der Hofer Polizei gelernt hatten: zum Beispiel, wie wichtig der Schulterblick ist, dass man beim Abbiegen den Arm in die entsprechende Richtung ausstreckt und wie man sich an der Ampel richtig einordnet. Eine 4. Klasse der Neustädter Schule, bestehend aus 17 Kindern, durfte den neuen Verkehrsübungsplatz in der Vorwoche bei sonnigem Wetter bereits auf Herz und Nieren testen, bevor zur offiziellen Eröffnung 21 Jungen und Mädchen den Verkehrsübungsplatz befahren durften. Die erste Unterrichtseinheit am neuen Verkehrsübungsplatz verlief für die Kinder und die Verkehrserzieher sehr gut. Am Kreisverkehr wussten die kleinen Radlerinnen und Radler zum Beispiel sehr schnell, wie man sich richtig verhält.
Der Weg zum neuen Verkehrsübungsplatz
Die Einweihung des neuen Verkehrsübungsplatzes der Stadt Hof hat eine Vorgeschichte, die bis in die 1970er Jahre zurückreicht. Ganze Generationen von Hoferinnen und Hofern haben ihren Fahrradführerschein in der HofBus‑Halle der Stadtwerke in der Unterkotzauer Straße absolviert. Für die Tage, an denen die Kinder nicht im Freien das Radfahren üben konnten, stellten die Stadtwerke ab 1978 kostenlos ihre Bushalle zur Verfügung. Damals galt es, 54 Klassen zu beschulen. Ein „Winterbetrieb“ war zwingend erforderlich. Allerdings mussten die Kinder dort während des laufenden Betriebs der HofBus GmbH in die Pedale treten. Aus Sicherheitsgründen ist das für die jungen Radlerinnen und Radler nicht ideal. Unter anderem machen die Unfallgefahr und die Abgase in der Halle den Ort für den Radfahrunterricht ungeeignet. Das stellte die Stadt Hof bereits 1981 fest; seit 1984 sucht sie nach einem Ersatz.
Für den Unterricht in den warmen Monaten kam die Polizei mit einem Lkw, Baujahr 2003, der voller Fahrräder und Verkehrszeichen war, zu den Schülerinnen und Schülern. Die meisten Schulhöfe, auf denen bisher geübt wurde, sind jedoch ungeeignet und meist viel zu klein.
Verkehrserziehung auf ehemaligem Autohausgelände
Die Frage, wo Kinder in Hof künftig sicher Fahrradfahren lernen können, beschäftigte die Stadtverwaltung und die beteiligten Akteurinnen und Akteure intensiv. Der neue Verkehrsübungsplatz der Stadt Hof soll keine Zwischenlösung sein, sondern eine dauerhafte Anlage, an der die Schülerinnen und Schüler sicher und realitätsnah das Radfahren üben können. Vom Hofer Rathaus waren drei Fachbereiche in die Planungen involviert; sie arbeiteten parallel und in enger Absprache an der Umsetzung.
Im Gespräch als neuer Standort war zum Beispiel das Gelände am Bahnhof Neuhof, an dem im Dezember das neue Freizeit‑ und Kulturareal eingeweiht wurde. Auch der hintere Teil des Freibads wurde in Betracht gezogen. Aufgrund von Altlasten wäre es an dieser Stelle jedoch zu teuer gewesen, den Platz komplett neu anzulegen. Die Entscheidung fiel deshalb auf den Schlossweg und das Gelände des ehemaligen Autohauses Seidel.
Grundschülerinnen und Grundschüler der vierten Klasse müssen verpflichtend die Radfahrausbildung absolvieren. Das sieht der Lehrplan der bayerischen Schulen vor. Konkret bedeutet das: Die Kinder üben zunächst in drei Doppelstunden im geschützten Raum. Wie beim Autoführerschein folgt dann eine Theorie- und eine praktische Prüfung. Den Abschluss bildet eine Fahrt im Realverkehr, die im direkten Umfeld der Schule stattfindet. Die Trainingseinheiten und die Prüfung können die Schülerinnen und Schüler künftig auf dem neuen Verkehrsübungsplatz absolvieren.
Ein entscheidender Vorteil des neuen Verkehrsübungsplatzes der Stadt Hof ist, dass zwei vierte Klassen gleichzeitig unterrichtet werden können. Während eine Gruppe dem theoretischen Teil lauscht, setzt die andere draußen im Freien das um, was sie gelernt hat. Dabei können die Kinder, die gerade nicht auf den Fahrrädern sitzen, ihre Altersgenossinnen und -genossen nicht beobachten, sondern haben einen Blick aufs Grüne. Das war ein konkreter Wunsch des Hofer Schulamtsdirektors Stefan Stadelmann. Eine Unterrichtseinheit dauert etwa 90 Minuten, sodass die beiden Schulklassen, wenn sie um 8:30 Uhr mit dem Üben beginnen, gegen 12:00 Uhr fertig sind.
Die Schulhof- und Bushallenlösung stellte bisher eine Herausforderung dar. Die Verkehrserzieherinnen und Verkehrserzieher konnten in der Vergangenheit immer nur mit halben Klassen trainieren. Während ein Teil mit den Fahrrädern übte, musste der Rest warten. Durch den neuen Verkehrsübungsplatz kann die ganze Klasse üben.
Mit der Eröffnung wurde daneben ein großes Ziel erreicht und ein langgehegter Wunsch der Verkehrserzieherinnen und Verkehrserzieher erfüllt: Die bisher mobile Verkehrserziehung, bei der die Fahrräder zu den Schulen gebracht wurden, ist jetzt stationär, wobei das Beste aus beiden Welten – Theorie im geschützten Raum und Praxis unter freiem Himmel – an einem Ort vereint wird.
Beste Voraussetzungen für den Fahrradführerschein
Das Gelände des ehemaligen Autohauses ist vom öffentlichen Straßenraum abgegrenzt und bietet auf einer Fläche von 2.400 m² genug Platz um eine Umgebung zu schaffen, in der junge Radlerinnen und Radler alles finden, was ihnen auch im echten Straßenverkehr begegnen würde: Kreisverkehre, Ampelkreuzungen, Einbahnstraßen, Baustellen und Fußgängerüberwege. Bei der Umsetzung arbeiteten die Hoch- und Tiefbauverwaltung der Stadt Hof und die Verkehrserzieher der Polizeiinspektion Hof eng zusammen, um einen Ort zu schaffen, an dem die Schülerinnen und Schüler alles lernen, um später sicher auf den Straßen unterwegs zu sein. Ergänzt wird der Platz durch eine mobile Containeranlage. Dort können zum Beispiel theoretische Schulungen stattfinden. Sie dient aber auch als Lagerraum. Im Gebäude des ehemaligen Autohauses wurde außerdem ein Aufenthalts- und ein Wechselraum für die Schülerinnen und Schüler eingerichtet.
Die Arbeiten gingen nahezu in Rekordzeit über die Bühne. Der städtische Bauhof brachte Markierungen an und errichtete Verkehrszeichen, um so ein realitäts- sowie maßstabsgetreues Abbild der Verkehrsflächen zu schaffen. Die Firma SBG Tiefbau GmbH aus Hof war für die vorbereitenden Tiefbauarbeiten verantwortlich. Die Beteiligten arbeiteten Hand in Hand, sodass ein Großteil der Maßnahmen noch im Winter 2025 umgesetzt werden konnte.
Aktuell warten die Verkehrserzieher noch auf einige Fahrräder. Da bisher nur mit halben Klassen geübt wurde, muss hier entsprechend nachgerüstet werden. Pro Klasse werden mindestens 20 Fahrräder gebraucht.
Durch die Beteiligung der Firma Yunex Traffic konnte eine Ampelanlage für den neuen Verkehrsübungsplatz der Stadt Hof angeschafft werden – ein großer Gewinn, so die Verkehrserzieher. Heike Köllner trainierte elf Jahre lang ohne eine Ampel mit den Kindern und merkt einen deutlichen Unterschied beim Unterrichten. Die Zeit, in der die Kinder an der Ampel warten müssen und sich auf die neue Situation vorbereiten, sei ein großer Gewinn, so Köllner. Die Ampeln können nicht nur in Rot, Gelb und Grün leuchten, sondern auch – wie im echten Straßenverkehr – in den Blinklichtbetrieb geschaltet werden. Das trägt zu realitätsnahen Bedingungen bei.
Tobias Brunner, Sales Manager bei Yunex Traffic, teilt mit: „Sichere Mobilität beginnt mit guter Verkehrserziehung. Eine funktionale Ampelanlage ist dafür zentral, weil Kinder hier unter realen Bedingungen üben können, wie sie Signale richtig deuten und sich sicher verhalten. Wir freuen uns, mit unserer Lichtsignalanlage die Fahrradausbildung in Hof zu unterstützen.“
Zur offiziellen Eröffnung des Verkehrsübungsplatzes brachte Brunner noch ein Geschenk mit. Für die ersten 25 Kinder, die im Schlossweg ihre Runden drehten, gab es orange Kinderwarnwesten und reflektierende Bauchtaschen.
Eine Situation, die ebenfalls auf dem neuen Verkehrsübungsplatz der Stadt Hof geübt wird, ist der sogenannte Tote Winkel beim LKW. Dazu werden noch Markierungen auf einer freien Fläche aufgemalt. Zur Umsetzung und Darstellung haben sich mehrere Speditionen bereit erklärt, mit einem Lkw die reelle Situation zu veranschaulichen.
Der Verkehrsübungsplatz der Stadt Hof im Schlossweg steht grundsätzlich nur den Grundschülerinnen und Grundschülern aus Schulen im Hofer Stadtgebiet, der Bonhoefferschule und dem TPZ, sowie Schulen aus dem Landkreis und privaten Schulen im Rahmen ihrer Fahrradausbildung zur Verfügung. Die Verkehrserzieher der Hofer Polizei planen aber, den Platz zu bestimmten Zeiten auch für alle anderen Kinder zu öffnen und gemeinsam mit ihnen das Fahrradfahren zu üben. Eine Möglichkeit soll es zum Beispiel während des Sommerferienprogramms der Stadt Hof vom 3. bis 5. August 2026 geben.
Nicht nur Oberbürgermeisterin Eva Döhla sprach im Rahmen der Eröffnung viele Dankesworte an die Beteiligten, sondern auch die Jungen und Mädchen, die zum Saisonstart auf dem Platz unterwegs waren. Wie sehr sie sich über den neuen Verkehrsübungsplatz freuen, brachten sie mit bunten Farben auf Papier zum Ausdruck. An Oberbürgermeisterin Eva Döhla und Günter Greim, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Hof, überreichten sie einige selbstgemalte Bilder.
Die Stadt Hof investierte in den neuen Verkehrsübungsplatz rund 450.000 €. Die Rolf und Hubertine Schiffbauer-Stiftung steuerte 100.000 € davon als Spende bei.
Foto (Stadt Hof): (von links nach rechts) Claudia Infante (Vorsitzende Frauen Union Hof-Stadt), Gudrun Kiehne (Fraktionsvorsitzende Bündnis 90 / Die Grünen), Tobias Brunner (Sales Manager, Yunex Traffic), Sebastian Auer (Bürgermeister), Angela Bier (Bürgermeisterin), Bernhuber Bernd (Fachbereichsleiter Tiefbau, Grünanlagen, Stadt Hof), Heike Köllner (Verkehrserzieherin, Polizeiinspektion Hof), Uwe Bernhard (Sachgebiet Schulen, Stadt Hof), Dr. Stephan Gleim (Unternehmensbereichsleiter Planen, Bauen, Umwelt, Stadt Hof), Gunther Simon (Geschäftsführer, SBG Tiefbau GmbH), Eva Döhla (Oberbürgermeisterin), Dr. Burkhard Baier (Unternehmensbereichsleiter Schulen, Jugend, Soziales, Sport, Stadt Hof), Karola Böhm (SPD-Stadträtin), Günter Greim (Dienststellenleiter, Polizeiinspektion Hof), Salih Akbulut (CSU-Stadtrat), Uwe Herrmann (2. Vorsitzender Kreisverkehrswacht), Stefan Stadelmann (Schulamtsdirektor), Theresa Seidel (Lehrerin), Alexander Spörl (Polizeihauptkommissar und Sachbearbeiter Verkehr, Polizeiinspektion Hof), Sebastian Oehme (Rolf und Hubertine Schiffbauer-Stiftung) und Kinder der Eichendorff-Schule




