StartGesundheitHantavirus: Über 18.000 Fälle in Deutschland – Vorsicht bei Mastjahren

Hantavirus: Über 18.000 Fälle in Deutschland – Vorsicht bei Mastjahren

Nach drei Todesfällen auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik rückt das Hantavirus erneut in den Fokus. Die Infektionskrankheit ist auch in Deutschland verbreitet. Proplanta hat die Verbreitungs- und Risikogebiete des Hantavirus seit 2001 auf Karten visualisiert und rät zur Vorsicht bei Garten- und Forstarbeiten sowie Kehrarbeiten in geschlossenen Räumen. Im gesamten Zeitraum wurden über 18.000 Hantavirus-Fälle vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland erfasst.

Vorkommen des Hantavirus

Zu den natürlichen Wirten von Hantaviren zählen vor allem verschiedene Nagetierarten wie Mäuse und Ratten. In den vergangenen Jahren wurden jedoch auch neue Hantavirus-Typen bei bislang unbekannten Reservoirwirten wie Spitzmäusen, Maulwürfen und Fledermäusen nachgewiesen. Hantaviren sind weltweit verbreitet und gehören in Deutschland zu den meldepflichtigen Erkrankungen.

Übertragung des Hantavirus und Symptome

Die Übertragung auf den Menschen erfolgt überwiegend indirekt über die Atemwege – etwa durch das Einatmen von virushaltigem Staub, der durch getrockneten Kot, Urin oder Speichel infizierter Tiere belastet ist. Darüber hinaus kann eine Infektion auch durch verunreinigte Lebensmittel, über verletzte Haut oder durch direkten Kontakt mit lebenden oder toten Nagetieren beziehungsweise deren Ausscheidungen erfolgen.

Die Viren bleiben außerhalb des Wirts – selbst im getrockneten Zustand – bis zu zwei Wochen infektiös. Infektionen können ganzjährig auftreten, das Risiko steigt jedoch insbesondere zwischen April und September. Typische Krankheitsverläufe beginnen meist plötzlich mit hohem Fieber über mehrere Tage und grippeähnlichen Symptomen wie Kopf- und Muskelschmerzen. Schwere Verläufe mit inneren Blutungen oder akutem Nierenversagen sind selten und treten in weniger als einem Prozent der Fälle auf.

Nach einer überstandenen Infektion besteht vermutlich eine lebenslange Immunität gegen den jeweiligen Virustyp. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung der in Europa vorkommenden Hantaviren gilt nach aktuellem Kenntnisstand als ausgeschlossen. Da es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische antivirale Therapie gibt, kommt vorbeugenden Schutzmaßnahmen eine zentrale Bedeutung zu.

Studien zeigen, dass die Zahl der Hantavirus-Infektionen eng mit der Größe der Nagetierpopulationen zusammenhängt. In Deutschland wird der Großteil der Erkrankungen durch das Puumalavirus verursacht, dessen Hauptreservoir die Rötelmaus ist. Diese lebt bevorzugt in Wäldern und waldnahen Regionen. Ihre Bestände schwanken zyklisch und können bei günstigen klimatischen Bedingungen sowie reichhaltigem Nahrungsangebot stark ansteigen. Besonders sogenannte Mastjahre – also Jahre mit außergewöhnlich hoher Samen- und Fruchtproduktion von Bäumen wie Buche und Eiche – begünstigen die Vermehrung der Mäusepopulationen. Mildere Winter und klimatische Veränderungen fördern dieses Phänomen zusätzlich. Regionen mit hohen Fallzahlen waren in den vergangenen Jahren unter anderem die Schwäbische Alb, der Bayerische Wald, das Münsterland, Nordost-Hessen sowie der Teutoburger Wald. Stuttgart verzeichnete zeitweise die höchste Zahl gemeldeter Hantavirus-Fälle.

Im Osten Deutschlands treten zudem vereinzelt Infektionen mit dem Dobrava-Belgrad-Virus auf, dessen Reservoir die Brandmaus ist. Ein weiteres in Deutschland vorkommendes Virus ist das Tulavirus, das nach aktuellem Wissensstand jedoch nur eine geringe krankmachende Bedeutung für den Menschen besitzt.

Nach Angaben des RKI sind mehr als zwei Drittel der Erkrankten Männer, insbesondere im Alter zwischen 30 und 49 Jahren. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass Männer häufiger in Land- und Forstwirtschaft tätig sind und dadurch einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Eine Ansteckung ist jedoch auch bei alltäglichen Tätigkeiten möglich – etwa beim Reinigen von Schuppen, Kellern, Dachstühlen und Garagen, beim Aufenthalt im Wald oder auf Grillplätzen.

So schützen Sie sich vor einer Hantavirus-InfektionUm Hantavirus-Infektionen zu vermeiden, empfehlen Fachbehörden eine konsequente Bekämpfung von Nagetieren im Wohnumfeld sowie die Einhaltung von Hygiene- und Schutzmaßnahmen, insbesondere beim Umgang mit möglicherweise kontaminiertem Staub. Proplanta rät bei Kehrarbeiten zu Mundschutz, Handschuhen und Schutzbrille.

Gemeldete Hantavirus-Fälle in Deutschland (2001-2026)

Insgesamt wurden seit 2001 bislang 18.053 Fälle registriert. Hohe Fallzahlen wurden in den Jahren 2007, 2010, 2012, 2017, 2019 und 2021 gemeldet, was auf starke Schwankungen der Nagetierpopulationen hinweist.

Karte + Infektionen 2017-2026

Karte + Infektionen 2009-2016

Karte + Infektionen 2001-2008

Stand 07.05.2026

Karte und Bild: Proplanta – Das Informationszentrum für die Landwirtschaft

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