Donnerstag, Juni 20, 2024
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Man darf das Lachen nicht vergessen

Bei Filmgespräch erinnern sich junge Geflüchtete an ihre schwersten Zeiten im Leben

„Wir sind jetzt hier“ – das ist der Titel eines preisgekrönten Dokumentarfilms mit Geschichten über das Ankommen in Deutschland. Auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung Bayern wurde der Film in Kooperation mit dem Haus International in der Rochuskapelle gezeigt und im Filmgespräch mit dem Produzenten Niklas von Wurmb-Seibel diskutiert. Sieben junge Männer, unter ihnen Hussein Al Ibrahim, der auch beim Filmgespräch zu Gast war, schilderten ihre Erlebnisse, wie sie nach ihrer Flucht in einer fremden Stadt angekommen sind und welche Hürden sie zu bewältigen hatten. „Um meine neue Heimat kennenzulernen, bin ich bei jeder U-Bahn-Station ausgestiegen, nach oben gegangen und habe mich umgeschaut, wo ich bin“, so einer der Protagonisten.

Dass die Gedanken auch oft um die alte Heimat, die Eltern, die dort noch leben, kreisen, wurde beispielsweise bei der Schilderung deutlich, wenn auf einmal in den sozialen Netzwerken Nachrichten von Bombenangriffen auf das Viertel kommen, in dem man gelebt hat. „In diesem Moment kann man sich nicht mehr auf den Deutschunterricht mit Akkusativ und Dativ konzentrieren, sondern hofft nur, dass die Familie überlebt hat“, berichtete ein junger Geflüchteter aus Syrien.

Beim Filmgespräch war auch die Landtagsabgeordnete Ruth Müller (SPD) dabei. Sie hatte Mheddin Saho an ihrer Seite, dessen Schicksal als „blinder Syrer“ in der Region Landshut bekannt wurde. Nach seiner Ankunft im Jahr 2019 sollte er zurück nach Spanien abgeschoben werden, trotz seiner Behinderung. Kirchenasyl, Abschiebeversuche und Petitionen begleiteten seinen Weg in den letzten Jahren, oft unterstützt durch die Abgeordnete Ruth Müller. Bei der Diskussion wurde auch deutlich, dass viele Ehrenamtliche dazu beigetragen hätten, die Geflüchteten zu begleiten, sie zu integrieren und ihnen bei den Behördengängen zu helfen. „Wir wollten mit unserem Film die Menschen zeigen mit all ihren Sorgen und Ängsten, die in den letzten Jahren bei uns angekommen sind“, so Niklas von Wurmb-Seibel. Und dabei auch auf viele gelungene Integrationsgeschichten aufmerksam machen. Mheddin Saho wird im Herbst eine Ausbildung bei der Agentur für Arbeit beginnen und hofft, dabei auch als Kulturbotschafter seine Erfahrungen einbringen zu können. Ähnlich ist es bei Hussein Al Ibrahim – er absolviert inzwischen eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellter bei der Gemeinde Hemmoor in Niedersachsen.

„Angesichts von zwei Millionen fehlender Arbeitskräfte in unserem Land müssen wir dafür sorgen, dass junge Menschen, die zu uns gekommen sind, möglichst schnell integriert und nicht ewig im Unklaren über ihren Aufenthaltsstatus gelassen werden“, so Ruth Müller. Deshalb wolle man jetzt auf Bundesebene für Asylbewerber einen „Spurwechsel“ ermöglichen.  Wer arbeitet oder ein Jobangebot als Fachkraft hat und einen anerkannten Berufsabschluss vorweisen kann, soll den Asylantrag zurückziehen und eine Aufenthaltserlaubnis beantragen können.

Das Fazit der jungen Geflüchteten, die im Film dargestellt wurden, war geprägt von den Erinnerungen der Angst auf der Flucht, der Angst vor dem „gelben Brief“, der Abschiebung bedeuten kann, und der Herausforderung, die Sprache zu lernen und Deutschland zu verstehen, und darüber das „Lachen und die Freude am Leben nicht zu verlernen“. Aber auch von viel Dankbarkeit für so vielfältige Unterstützung, die sie erfahren hatten. Diesen Dank gab die Leiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung, Simone Reperger, auch an Annelies Huber vom Haus International weiter, das seit vielen Jahrzehnten genau diese Arbeit hervorragend leistet.

Foto: Friedrich-Ebert-Stiftung

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